Anna ist angekommen. Trotz oder wegen Corona?

Wie ein Hotelier aus einer negativen Ausgangssituation etwas Positives macht und dabei noch Team-Zusammenhalt und Mitarbeiterbindung stärkt. Anna ist angekommen und das ist ihr Arbeitgeber, den sie bei der Nacht der Hotellerie kennengelernt hat.

„Ich hatte in keinem Moment wirklich Sorge um meinen Ausbildungsplatz“, erzählt Anna. „Während des Lockdowns war ich zuhause als ich plötzlich einen Anruf von Herrn Brune erhielt. Er wollte einfach nur wissen, wie es mir geht und mir bei der Gelegenheit noch einmal bestätigen, dass mein Ausbildungsplatz im Seesteg auf Norderney nach wie vor sicher ist. Ich war total erstaunt über seinen Anruf, sein ehrliches Interesse und fand dann von anderen Kollegen heraus, dass er auch bei ihnen allen angerufen hat.“

Kurze Rückblende:

Wir begleiten Anna seit sie sich um einen Ausbildungsplatz im Hotelfach bemüht hat und haben euch dabei Einblicke in ihre Welt und ihre Erfahrungen gewährt. Daraus ergaben sich schon sehr viele Learnings. In Teil 1 ging es um die ersten Berührungspunkte im Bewerbungsprozess und wie viel hier schon schiefgehen kann. Im zweiten Teil erzählen wir von ihren Erlebnissen mit Praktika bei unterschiedlichen Hotelbetrieben. Hier erfahrt ihr, was die Hotels getan bzw. nicht getan haben, um Anna als Auszubildende für sich zu gewinnen. Der Gewinner im Kampf um die motivierte junge Bewerberin war „Hotel E“.

Zeit für eine Fortsetzung

Hotel E ist -wir dürfen es in diesem Beitrag verraten- das Hotel Seesteg auf Norderney, das vom Familienunternehmen Brune & Company betrieben wird. Die Brüder Marc und Jens Brune sind Architekt und Hotelier, Inhaber und Geschäftsführer mehrerer Hotel- und Gastronomiebetriebe sowie eines Architekturbüros. „Wenn die Brunes selbst vorbeikommen, dann freuen sich die Mitarbeiter, statt sich zu fürchten, wie das woanders eher üblich ist“, erzählt Anna.

Offiziell gestartet ist Anna’s Ausbildung am 01.08.2020. Doch auf ihre Bitte hin, wurde es ihr ermöglicht schon vorher eine Vollzeitstelle im Service anzutreten. So konnte sie seit Beginn des Jahres Geld verdienen, auf eigenen Beinen stehen und ihren Ausbildungsbetrieb noch besser kennenlernen. Sie hat im Café Marienhöhe auf Norderney gearbeitet als ein gewisses Virus die Welt aller auf den Kopf stellte. „Die Geschäftsführung und die Personaler aus Bremen waren auch persönlich da und haben Einzelgespräche mit jedem Mitarbeiter geführt. Uns allen haben sie glaubhaft versichert, dass wir zwar in Kurzarbeit gehen, aber nicht um unseren Arbeitsplatz fürchten müssen“, erzählt Anna begeistert.

„Als das Café im Mai wieder geöffnet wurde, haben sich die Betriebsleitung und der Operations Manager mit uns zusammengesetzt, um auszuarbeiten wie wir neu anfangen können. Da durfte sich jeder von uns einbringen und wurde auf Augenhöhe miteinbezogen. Das fand ich voll gut.“

Ausbildung – eine Herzensangelegenheit

„Wir nehmen unseren Bildungsauftrag sehr ernst – für die Nachwuchsförderung, für unsere Betriebe und die Zukunft unserer Branche. Deswegen tun wir alles erdenklich Mögliche, um den jungen Menschen unter jedweden Umständen eine hochwertige Ausbildung zu bieten“, bestätigt Jens Brune mir in einem persönlichen Interview. „Ob mit oder ohne Krise. Es war mir schon immer wichtig unsere Auszubildenden zu integrieren und alle zwei Wochen auf einen Plausch mit ihnen zusammenzukommen.“

Die Geschäftsführung hat mit Beginn der Krise gleich eine Kommunikationsstrategie ins Leben gerufen und für jeden Bereich Kommunikationskanäle aufgesetzt. Darüber wurden die MitarbeiterInnen zu jederzeit über jegliche Änderungen, Vorhaben und Pläne auf dem Laufenden gehalten. Um wirklich jede und jeden MitarbeiterIn mitnehmen zu können, wurden die Informationen sogar auf sechs Sprachen übersetzt. „Niemand soll sich benachteiligt fühlen. Jeder ist wertvoll für uns und unser Unternehmen“, so Jens Brune.

„Unsere Gastgeber-Herzlichkeit schenken wir auch unseren Azubis und unseren Mitarbeitern. Das ist für uns selbstverständlich.“

Die Auszubildenden aller Betriebe hatten die Wahl, ob sie während des Lockdowns lieber zuhause bleiben wollten oder ob sie individuelle Schulungen und Prüfungsvorbereitungen im Betrieb wahrnehmen wollten. Dazu wurden die Auszubildenden aus dem Betrieb im Schwarzwald nach Norderney eingeladen, wo Brune & Company auch Mitarbeiterunterkünfte hat. So haben die Macher aus einer negativ besetzten Ausgangslage ein positives Happening gemacht und alle Auszubildenden zusammengebracht. Das Teamgefühl wurde mit dieser Maßnahme zusätzlich gestärkt und die Auszubildenden lernten neue Seiten kennen.

Azubi-Onboarding und -Projekte

„Am ersten Tag der Ausbildung haben sich alle Neulinge im Haus am Meer getroffen. Das Personaler-Team aus Bremen hat uns begrüßt und uns allgemeine Informationen zur Ausbildung gegeben. Dann kam auch Jens Brune dazu und hat uns ganz viel von den Objekten erzählt. Er hat uns auch durch alle Häuser auf der Insel geführt und uns so Details zu Möbelstücken verraten. Seine Leidenschaft war total ansteckend. Später kam auch Marc Brune dazu – in Badehose und Shirt. Und sogar die achtjährige Tochter von Jens Brune. Das finde ich cool, dass sie so selbstverständlich dazu gekommen sind. Da merkt man so das Familiäre. Außerdem haben sich sogar alle Betriebsleiter bei uns vorgestellt“, berichtet Anna von ihrem ersten Ausbildungstag.

Begeistert war sie auch davon, dass jeder einen eigenen „Paten“ aus dem 3. Lehrjahr bekommen hat, den sie am ersten Tag kennengelernt haben. Dieser hat sie auch an ihrem ersten Tag in Aktion begleitet, ihr beim Frühstücksservice die Köche vorgestellt und ihr alles in Ruhe erklärt – ganz ohne Sprung ins kalte Wasser.

Die Nachwuchskräfte, die im März schon bzw. noch in Ausbildung waren, wurden mit einem speziellen Projekt betraut, das sie eigenständig erarbeitet haben. Ihre Aufgabe unter dem Motto „Azubis am Herd“: Kreiere regionale Gerichte zum Verkauf auf dem Wochenmarkt. Dazu gehörten auch die Kalkulation und der Verkauf auf dem Insel-Wochenmarkt selbst. „Das ist super bei den Azubis und den Insulanern angekommen. Das haben sie echt toll gemacht“, erzählt Jens Brune mit einem großen Lächeln im Gesicht. „Wir sind sehr stolz auf alle unsere Azubis und ihre Leistungen. Wir bringen bei Wettbewerben immer wieder Landesmeister hervor – das geht nur mit individueller Förderung, die aber auch Spaß macht und den Horizont erweitert.“

Learnings

Was wir aus Anna’s Bewerber-, Mitarbeiter- und nun Ausbildungswelt lernen können, ist von unschätzbarem Wert. Im Umgang mit der Krise hat sich die essenzielle Bedeutung von Kommunikation und Transparenz noch einmal gezeigt. „Hotel E“ hat keine/n einzige/n MitarbeiterIn verloren, weder durch Fremd- noch durch Eigenverschulden. Mit den persönlichen Gesprächen vor Ort, am Telefon und durch alle Hierarchien hindurch – in mehreren Sprachen – haben die Inhaber eindrucksvoll gezeigt, wie einfach ehrliche Wertschätzung sein kann und vor allem was sie bewirkt.

„Wir mussten einfach wissen und sichergehen, dass es unseren Mitarbeitern in ihren vier Wänden gut geht. Die intensive Kommunikation über diverse Kanäle hat uns alle noch näher zusammengebracht. Umso dankbarer sind wir, dass wir niemanden gehen lassen mussten“, so Jens Brune.

Mit Empathie und Weitsicht ist es den Inhabern und Geschäftsführern von Brune & Company alias Hotel E, gelungen die MitarbeiterInnen noch stärker an sich zu binden. Ohne Zauberei. Dafür mit einer glücklichen Anna.